
Lenzesfreude
Hellweiße Wolken im blauen Azur
hoch über wehenden Birkenzweigen,
sie malen des Lenzes buntfarbene Spur
in heimlich erwachenden Blütenreigen.
Fortan ist vergessen der Dunkelheit Leid,
und Sehnsucht erwacht in der Menschen Herzen;
es macht die Sonne den Himmel so weit,
und Kinderlieder erklingen im Märzen.
Geheimnis Mensch
Für dich und mich geboren,
für Lieb und Leid erkoren,
in tausend Flammen sprühend,
in Eiseskälte glühend.
Im Flug zu hohen Sternen,
im Sturz in tiefe Fernen,
in Widersprüchen bebend,
in Harmonien lebend.
Bestimmt zu Abenteuern
im Spiel mit roten Feuern,
in kühler Pflicht erstarrend,
in Leidenschaft verharrend.
Ein Sommermorgen
Im Morgenglanz der Blütentraum
sich früh ins Gold der Sonne hüllt,
es gleitet lautlos durch den Raum,
was ihn mit buntem Leben füllt.
Und ihre hellen Schleiern zieh'n
die Wolken tief ins Morgenrot,
ein goldner Vogel schwebt dahin,
wobald des Sommers Feuer loht.
Der fahle Mohn am Wiesenrain
entzündet sich im neuen Licht,
der Rose purpurroter Schein
ein Band um junge Herzen flicht.
Ende des Herbstes
Nebelfetzen stumm und kalt
geistern durch des Dunstes Grau,
fahl endlbättert steht der Wald,
Winde wehen fremd und rauh.
Sonnenbilder dünn und zage
stehn in fernen Himmelshöhen,
schimmern in des Daseins Klage;
und der heis're Schrei der Krähen
lässt des Sommers Traum vergehen,
in den Herzen wächst die Not,
Lebensspuren bald verwehen
in das letzte Abendrot.
Was ist Wahrheit!?
Er bangt vor des Gerichtes Schranken;
im Tempel der Gerechtigkeit
gerät die Wahrheit oft ins Wanken
durch Menschen-Unzulänglichkeit.
Mancher "Sünder" angeklagt,
der redlich gut, von Schuld ganz frei,
befremdlich nach dem Urteil fragt,
warum er denn verurteilt sei.
Und er erhält dann die Belehrung,
der Richter wisse zweifelsfrei,
ob jene oder die Erklärung
von Zeugen gänzlich richtig sei.
Unfehlbarkeit, Unfehlbarkeit,
du trittst die Wahrheit oft mit Füßen;
des Menschen Unzulänglichkeit
muß manche Unschuld bitter büßen.
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